Wachtelweizen |

Blüten des Wiesen-Wachtelweizens (Melampyrum pratense)

Habitus des Wiesen-Wachtelweizens
Die Etymologie der griechischen Bezeichnung geht vermutlich zurück auf gr. melas (dunkel), böse und pyros (Weizen), da die Halbparasiten dem Weizen schaden können. Im deutschen Namen ist „Weizen“ erhalten geblieben. Der Vogelname vor dem Getreide geht zurück auf den alten Volksglauben, dass die Samen gerne von Wachteln gefressen würden.
Die in fast ganz Europa, in Asien und in Nordamerika vorkommende Gattung zählt um die 20 Arten. Melampyrum-Arten sind einjährige, halbparasitische Kräuter mit einem aufrechten, vierkantigen, kahlen oder leicht behaarten Stängel. Die einfachen, kurz gestielten oder fast sitzenden Blätter sind gegenständig und meist lanzettlich.
Die Blüten stehen einzeln in den Achseln der Tragblätter oder sind ährig bzw. traubig organisiert. Die manchmal gezähnten Tragblätter sind laubblattähnlich und können auffällig gefärbt sein. Die Blütenfarbe ist meist gelb, seltener rosa oder violett. Der glockenförmige, manchmal behaarte Kelch besitzt oben 2 lange, unten 2 kürzere Zähne. Die Kronröhre verbreitert sich allmählich und ist am Ende geweitet und 2-lippig.
Die Unterlippe ist gerade oder herabgebogen, etwas länger als die Oberlippe und an der Spitze 3-lappig bzw. 3-zähnig. Die helmförmige Oberlippe besitzt eine stumpfe Spitze und ist seitlich abgeflacht sowie am Rand eingerollt. Es sind 2 lange und 2 kurze mit der Kronröhre verwachsene Staubblätter vorhanden, die vom Helm eingeschlossen werden. Der oberständige, aus 2 Fruchtblättern verwachsene Fruchtknoten trägt einen Griffel mit behaarter, kopfiger Narbe. Aus ihm entwickelt sich nach der Bestäubung durch langrüsselige Hummeln oder Selbstbestäubung eine 1- bis 4-samige, eiförmige, etwas abgeflachte Fruchtkapsel.
| Blütenformel: |
| ↓ K(4) [C(5) A4+0] G(2) oberständig |
Viele Melampyrum-Arten entwickeln Samen mit einem Elaiosom, einem Anhängsel, das von Ameisen gefressen wird. Die Insekten tragen die Samen in ihren Bau, verspeisen das Elaiosom und tragen die Samen wieder hinaus. Nicht selten wachsen die Pflanzen darum in der Nähe von Ameisenhaufen.
Die hauptsächlich auf den Wurzeln von Gräsern parasitierenden Melampyrum-Arten leben zusätzlich in Symbiose mit Mykorrhiza-Pilzen, die ihnen Nährsalze und Wasser liefern und von den Pflanzen mit Kohlenhydraten versorgt werden. Die Kombination aus Mycotrophie und Halbparasitismus ist im Pflanzenreich sehr selten.
Melampyrum-Arten können Frühlings-, Sommer- und Herbstformen ausbilden, die sich morphologisch voneinander unterscheiden, darüber hinaus unterscheiden sich Gebirgs- und Talpflanzen voneinander. Diese verschiedenen Wuchsformen werden manchmal als Unterarten verkannt. Da sowohl Unterarten, Saison-Dimorphismus und Ökotypen existieren, besteht hinsichtlich der Systematik noch Forschungsbedarf.
Historische Veröffentlichungen
Wie eingangs erwähnt, taucht Melampyros zuerst bei Theophrast auf. Später findet sich auch bei Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) eine Beschreibung. Melampyros würde auch Myagros genannt und besäße eine blassgelbe Blüte. Er beschreibt die Pflanze als krautig und strauchförmig wachsend, mit Blättern ähnlich denen des Färberkrapps. Die Samen seien fett und würden denen des Bocksdorns ähneln. Heute geht man davon aus, dass er nicht den Wachtelweizen beschrieb, sondern Nesslia paniculata, den Finkensame.
Bedeutung der Artnamen
- communis: lat. communis = gewöhnlich
- pratense: lat. pratensis = zur Wiese gehörend
Interessantes am Rande
Die Samen vieler Arten enthalten das Iridoidglykosid Rhinantin, wodurch sie tiergiftig sind.
Die halbparasitischen Pflanzen, die teilweise auch ohne Wirtspflanze überleben können, sind selbst von Parasiten bedroht. So können sie von den Rostpilzen Puccinia nemoralis, Puccinia moliniae und Coleosporium tussilaginis befallen werden.
Auch der Echte Mehltau Podosphaera macularis kann den Pflanzen zusetzen, ebenso wie Blattläuse der Art Macrosiphum melampyri.
Die Samen des Wiesen-Wachtelweizens ähneln den Kokons von Ameisenpuppen. Waldameisen transportieren die Samen in ihren Bau und sorgen so für die Verbreitung der Pflanze.